BILD „Wie ich diese Stadt liebe!“ (Deutsch)

04.06.2019 BILD von: KAI-UWE HESSE UND BABAK MILANIveröffentlicht am 04.06.2019 - 23:06 Uhr

Foto: Andreas Costanzo

Pünktlich, als Rafael van der Vaart (36) auf die Terrasse des Restaurants „Clouds“ in den Tanzenden Türmen auf der Reeperbahn trat, brach die Sonne durch die Wolken. Hamburg zeigte sich aus rund 80 Metern Höhe von seiner besten Seite.

Van der Vaart schwärmt: „Almuth Wehmeyer, die Frau von HSV-Klub-Manager Bernd, erklärte mir schon vor 14 Jahren, als ich erstmals hier war, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt sei. Ich muss sagen: Sie hat total recht. Wie ich diese Stadt liebe! Sogar die Unberechenbarkeit des Wetters mag ich.“

Er weiß wovon er spricht. Sechs Jahre, von 2005 bis 2008 und 2012 bis 2015, spielte der Top-Techniker mit unterschiedlichem Erfolg im HSV-Dress. Im vergangenen Herbst beendete van der Vaart bei Esbjerg in Dänemark seine Karriere: „Der Fußball war nie Arbeit, sondern mein liebstes Hobby. Der ehemalige holländische Nationalspieler Ruud Krol sagte einst, dass man genau merkt, wann es mit der Karriere vorbei ist. Und ich habe es ebenfalls gemerkt.“

Elbe, Alster, Eppendorf, Volkspark – Rafa ist noch immer voll verknallt in die Hansestadt: „Ich habe gleich das Gefühl gehabt, hier eine neue Familie gefunden zu haben. Und als ich danach bei Real Madrid war, habe ich sofort diese schöne Stadt an der Elbe vermisst.“ Van der Vaarts Blick schweift von der Elbphilharmonie Richtung Michel und zurück.

Aber nicht nur die Schönheit und die sportliche Vergangenheit spricht für die Hansestadt: „Mein Sohn Damian lebt weiterhin in Hamburg.“ Der gemeinsame Sohn von Rafael und Ex-Gattin Sylvie  (41) spielt aktuell für die U13 von Victoria: „Damian hat einen guten rechten Fuß. Für mich würde ein Traum in Erfüllung gehen, wenn er irgendwann im HSV-Trikot kicken würde.“

So oft wie möglich düst van der Vaart aus seinem derzeitigen Wohnort Esbjerg in Dänemark – wo er mit Freundin Estavana Polman (26) und Töchterchen Jesslynn (1) lebt – nach Hamburg: „Ich schaue seine Spiele oder spiele mit Damian entweder bei Victoria auf dem Platz oder auf der Moorweide am Dammtor Fußball.“

Wird er seine neue Liebe eigentlich heiraten? Van der Vaart schmunzelnd: „Estavana sagte mir, dass ich schon mal verheiratet war und damit meine einzige Patrone verschossen habe. Ich bin aber auch ohne Trauschein glücklich.“

Weniger glücklich ist er mit seinem HSV. Der Nichtaufstieg seines Ex-Vereins hat den Vize-Weltmeister von 2010 tief getroffen: „Sehr, sehr schade. Den Schock habe ich offen gestanden noch gar nicht verdaut.“ Aber van der Vaart hofft auf die kommende Saison und den neuen Trainer: „Ich bin totaler Fan von Dieter Hecking. Er hat eine gute Ausstrahlung, ist ruhig und hat große Erfahrung. Ich hoffe, dass er mal zwei, drei Jahre die Möglichkeit bekommt, hier etwas aufzubauen.“

Einen Posten als Funktionär im Fußball will er selbst noch nicht bekleiden: „Ich genieße mein aktuelles Leben, bin froh, ohne Schmerzen und Gedanken an die Arbeit aufzustehen. Ich mache erstmal nur noch Dinge, die mir Spaß machen.“ Wie zum Beispiel ab heute als Experte für den niederländischen Sender NOS aus Portugal von den Finalspielen der Nations League zu berichten.

Oder eben ein großes Fußballfest im kommenden Oktober in Hamburg auszurichten...

Rafeal van der Vaart